Propädeutikum für die 10. Jahrgangsstufe - 

 

Schreiben und Präsentieren für die Qualifizierungsphase

 

Im Rahmen des MSRG-Projekts (Mehr Schulerfolg an den Gymnasien und Realschulen der Stadt Nürnberg) fand dieses Jahr zum dritten Mal der Vorbereitungskurs „Schreiben und Präsentieren für die Qualifizierungsphase“ im 10. Jahrgang statt.

Die Schülerinnen und Schüler wurden in den Modulen „Methodentraining Oberstufe“ und „nicht lineare Texte“ auf das selbstständige und methodenbewusste Arbeiten in der Oberstufe vorbereitet. In zwei weiteren Modulen mit dem Thema „Argumentieren in freieren Formen“ erlernten sie elementare Techniken und Gestaltungsprinzipien zum Schreiben einer Glosse, eines Kommentars, eines Essays und einer Rede.

In den vier über das Schuljahr verteilten Modulen wurde in kleinen Lerngruppen (jeweils nur eine halbe Klasse) alle zwei Wochen eine Doppelstunde lang geschrieben, recherchiert und präsentiert. Es wurden Redebeiträge verfasst und gehalten, Glossen geschrieben, die eigene Meinung in Kommentaren dargestellt, Karikaturen gedeutet, Quellen, Diagramme und Statistiken analysiert und interpretiert und alle Unterlagen in einem Portfolio gesammelt - kurz gesagt: Die Zehntklässler wurden auf die Anforderungen in der Qualifizierungsphase vorbereitet.

                                                                                  Patricia Thias, Steffi Wächter

„Paul und Paula“-Glosse

Ich bin organisiert und pünktlich …                      

Wenn ich zu spät komme, dann mit Paula 

Endlich Wochenende. Einfach mal alles auf sich zukommen lassen – könnte man meinen. 

Es ist Samstagmorgen, 10 Uhr. Normalerweise schlafe ich um diese Uhrzeit noch, doch nicht heute. Paula und ich sind heute Abend auf einer Party von Bekannten eingeladen und Paula ist seit 9 Uhr auf den Beinen, um sich dementsprechend zu stylen. Nach dem Frühstück hat sie begonnen, unzählige Kerzen, Champagner, ihren gesamten Kosmetikbestand und einen CD-Player ins Badezimmer zu schleppen. Jetzt höre ich nur noch das Plätschern des Badewassers und die Stimme von Robbie Williams, die viel zu laut aus dem CD-Player dröhnt und mir das erneute Schlafen nun völlig unmöglich macht. Ins Badezimmer werde ich erfahrungsgemäß nicht mehr so schnell kommen; deshalb habe ich meine Zahnbürste gestern Abend vorsichtshalber schon mal in die Küche gelegt. Ich quäle mich aus dem Bett, schnappe mir das T-Shirt und die Jeans von gestern – das taugt schon für die Party heute Abend – und schlurfe in die Küche. Dort erwartet mich das reinste Chaos. Überall liegen Klamotten von Paula, auf dem Tisch hat sie ihre Tasche auf den Kopf gestellt und den gesamten Inhalt ausgeleert. Wahrscheinlich hat sie mal wieder ihren „Lieblings-Lippenstift“ gesucht – mein Gott, die sehen doch eh alle gleich aus! 

Nachdem ich schnell über meine Zähne geschrubbt habe und meinen Geldbeutel unter ihren unzähligen Klamotten endlich gefunden habe, rufe ich ein flüchtiges „Tschüss'' in Richtung Badezimmer und mache mich auf den Weg zum nächsten Bäcker. Dort gönne ich mir erst mal einen Kaffee und ein belegtes Brötchen und überlege, was ich noch so machen will, bis es zur Party geht. Gegen Mittag bin ich mit meinem Kumpel zum Abhängen verabredet und davor wollte ich noch einen Abstecher in die Innenstadt machen. Ach ja, da ist ja auch noch das Spiel vom Club, das ich auf keinen Fall verpassen möchte. Ich habe einen sehr vollen, aber schönen Tag, den ich im Gegensatz zu Paula voll und ganz ausnutze und nicht nur zu Hause vorm Spiegel verbringe... Frauen... 

Störfaktor Schicksal 

Eine viertel Stunde, bevor wir zur Party los müssen, komme ich zu Hause an. Paula ist schon halb am Durchdrehen, weil ich ja sooo spät dran wäre und wir meinetwegen garantiert zu spät kämen. Sie ist mittlerweile top gestylt und so gut wie fertig. Ich verschwinde noch mal kurz im Bad, um mich zu rasieren – das war ja heute morgen dank Paula nicht möglich. Als ich schließlich pünktlich zur Abfahrt im Flur erscheine, bekomme ich gerade noch mit, wie das Schicksal zuschlägt – Paula rennt die Treppe runter, knickt um und der Absatz ist entzwei. Na klasse, und jetzt? Turnschuhe zum Cocktailkleid? Wohl kaum. Für Paula ein No-Go! Dann also mal wieder der Umweg über die Schwester – wie schon so oft der Retterin in letzter Minute. Schuhe einpacken. Zur Party fahren. Zu spät kommen – wie immer, wenn man mit Paula unterwegs ist. 

Paul (Marie Beil, 10d)

   

 ... und ich nehme mir die Zeit, die ich brauche 

 

Wenn ich zu spät komme, dann ist es nie meine Schuld

 

Ich liebe Partys. Doch genauso wichtig wie der Spaß am Abend, sind die Vorbereitungen, die jede Frau von der grauen Alltagsmaus in ein glamouröses Party-Girl verwandeln. 

Champagner, Kerzen und Robbie Williams

Es ist Samstagmorgen, 9 Uhr. Paul und ich sind heute Abend auf einer Feier eingeladen, die verspricht, eine der besten seit langem zu werden. Dies gebührt besonderer Aufmerksamkeit.

Nach einem kleinen Frühstück- heute Abend wird genug gesündigt, geht es mit Champagner, Kerzen und Robbie Williams ins Bad. In der nächsten Stunde entspanne ich mich mit „Angels“ und Rosenduft in der Wanne. Von Paul höre ich ein flüchtiges „Tschüss“ durch die Badezimmertür und ein lautes Türknallen. Das ist mal wieder typisch. Wahrscheinlich wird er eine Minute, bevor wir fahren müssen, mit Bartschatten und der Jeans von gestern wieder auftauchen und nörgelnd fragen, warum ich denn noch nicht fertig sei. Männer! Doch das ist mir jetzt wirklich egal, denn ich habe Wichtigeres zu tun.  

Masken, Peelings, Cremes und Tonics 

Nach dem Duschen und Haarewaschen widme ich mich meinem Gesicht.
Masken, Peelings, Cremes und Tonics lassen meine Haut jung und frisch aussehen.
Make up, Puder, Bronzer, Blush verleihen mir makelloses Aussehen. Falsche Wimpern, Lidschatten, Gloss und Co. vollenden mein Werk und lassen mich wieder aussehen wie eine 20-Jährige. Die nächste Station: Kleiderschrank. Jetzt geht es darum, meine Figur vorteilhaft in Szene zu setzen und Problemstellen zu kaschieren. Die Farbauswahl in meinem Make up verringert die Outfit-Möglichkeiten drastisch und nach langem Hin und Her treffe ich schließlich meine Wahl. Es ist –wie meistens- das kleine Schwarze mit Feinstrumpfhose und meinem ganzen Stolz: dunkle Louboutins. (Welche übrigens meine einzigen dunklen High Heels sind.)

Ein kurzer Blick auf die Uhr versetzt mich leicht in Panik. Noch eine viertel Stunde, Paul müsste eigentlich schon da sein. Und wie auf´s Stichwort höre ich von unten seine Stimme, die ab jetzt im 10 Sekunden-Takt schreit: ”Paula, wir müssen los, wo bleibst du denn?” Ein Hauch Chanel Nr.5 gibt mir den letzten Schliff. Jetzt muss ich aber schnellstens runter zu Paul, der kurz im Bad verschwunden ist und sich mittlerweile die Seele aus dem Leib schreit. Ich stöckle also so schnell ich kann zur Treppe, renne sie runter, und da passiert es. Ich knicke mit meinem rechten Fuß um, es gibt einen leisen Knacks und ich kullere die restlichen Stufen hinunter und lande direkt vor Pauls Füßen, der sich vor Lachen kaum noch halten kann. Blödmann. Trotzig stehe ich auf und lasse mir meine leichten Schmerzen nicht anmerken, aber als ich den rechten Fuß belaste, falle ich fast wieder um. Entsetzt sehe ich hinunter und sehe den Absatz meines rechten Louboutins am Schuh baumeln. Nein, das kann doch nicht sein. Nicht jetzt, nicht meine schönen Schuhe! Ich sehe mit Tränen in den Augen zu Paul. Dieser seufzt und sagt: “Was ist das Problem? Du hast doch noch tausend andere Schuhe in deinem Schrank!“ Was das Problem sein soll? Hah, der hat doch gar keine Ahnung. Ich habe gerade meine besten, schönsten und teuersten Schuhe ruiniert und er denkt doch wirklich, ich zieh einfach ein paar andere an. Aber er hat recht. Der Schuh ist nicht mehr zu retten. Also gehe ich auf die Suche nach neuen Schuhen. Aber es ist hoffnungslos, zu klein, zu unbequem, zu hässlich, zu alt, oder zu niedrig. „Keine Chance“, rufe ich zu Paul, „wir müssen zu meiner Schwester fahren, ich habe keine Schuhe!“ Ich höre ihn laut stöhnen, aber schließlich willigt er ein, da er weiß, dass ich von meinem Plan nicht abzubringen bin. Und so landeten wir als letzte Gäste auf der Party, aßen nur noch die Reste vom Buffet, weshalb mir Paul den ganzen Abend strafende Blicke zuwarf, aber das war mir egal. Schließlich war er an der ganzen Aktion Schuld. Hätte er mich nicht so gehetzt, wäre ich auch nicht die Treppe heruntergeflogen. 

PAULA (Greta Jauernik, 10b)

 

 

 

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